7.03.2011

Wiederholtes Kopfzerbrechen um zwei widersprüchliche Homophone: wider oder wieder?

Vinland-Karte

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Foto: Yale University Press
public domain

Vor die Frage gestellt, ob etwas ausgedrückt werden soll, das mit zuwider zu tun hat oder mit wiederum, hält man prüfend inne. Es ist ja dies das Kriterium, das die Rechtschreibung zugrundelegt.

Aber ist der vermeintliche Unterschied zwischen wider und wieder womöglich nichts als eine gutgemeinte, jedoch scheinbare, ja nasführende Unterscheidung?

Das mittelhochdeutsche Wort wider geht zurück auf einen Komparativ (zur Definition grammatischer Begriffe vgl. Duden – Grammatische Fachausdrücke), der soviel wie weiter weg/auseinander, hin und zurück ausdrückte (vgl. Duden, Das Herkunftswörterbuch 2006).


wider oder wieder?

Die gemeinsame Wurzel des Adverbs wieder (abermals) und der Präposition wider (gegen) ist also das Wort weiter. Im 17. Jahrhundert erst führten Gelehrte eine unterschiedliche Schreibung ein, die einen verschiedenartigen Sinn verdeutlichen sollte, dem jedoch keine merklich unterschiedliche Ausprache entsprach.

Heute ist wider vor allem in dem Adverb zuwider vertreten, zuwider sein, gehen, laufen. Vereinzelt findet man es in Wendungen wie wider besseres Wissen, wider die Menschlichkeit, wider Treu und Glauben, wider die guten Sitten/die Moral, wider Recht und Gesetz, wider die Natur, wider menschliches Ermessen/alle Logik/die Vernunft, wider die Regeln, wider den tierischen Ernst. Dazu gedacht wird fast zwangsläufig das Verb verstoßen. Oder ein Ausrufezeichen als Zeichen des Aufrufs: Wider das Vergessen, den Ungeist, die Rückständigkeit, die Unterdrückung!

Erhalten ist wider vornehmlich in vielgestaltigen Ableitungen und Komposita. Sie alle drücken mit diesem Bestandteil entweder etwas Gegensätzliches oder etwas Abstoßendes aus: z. B. Widrigkeit, Widerstand, Widerhall, Widerspruch, Widerwille, Widersacher, Widerpart, Widerling, widerstehen, widerlegen, widersprechen, widerrufen, widerwärtig, widerwillig, widersprüchlich, widerlich, widrig, erwidern, anwidern.

Wie unscharf die Grenze letztlich ist, zeigt sich etwa an den Verben widerspiegeln, widerhallen und wiederholen, wiedertaufen. Sie lassen sich auch uminterpretieren, und so stößt man unversehens auf den gemeinsamen semantischen Kern von hin und zurück.

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