30.04.2010

frugal – ein widersinniges Fremdwort?

Obststand

Obststand

Bild: Thommy Weiss
© thommywe@web.de / PIXELIO

frugal geht zurück auf das lateinische Adjektiv frugalis (ordentlich, rechtschaffen, bescheiden). Als Fremdwort bezeichnet es also einfach, bescheiden, karg – und in Anlehnung an seinen Beiklang – aus Früchten bestehend.

Immer wieder gab es Ansätze, es auch in der Bedeutung von »üppig« zu verwenden. Und das war naheliegend. Denn in dem Adjektiv steckt das lateinische Wort frux, Frucht, Nutzen, Ertrag. Dagegen ist fructus bereits eine Übertragung und bedeutet Nutzung, Genuss, Gewinn, Vorteil. Schwer zu sagen, ob die konkrete Bedeutung »Frucht« das Ergebnis einer Übertragung aus dem abstrakten Begriff Ertrag ist, oder umgekehrt, wie man aus dem deutschen Wort Frucht, französisch und englisch fruit , italienisch frutto, schließen könnte.

Die Frucht als gestaltgewordene Figur der Vermehrung ist auch in unserer Sprache ein anschauliches Bild: »Früchte tragen, fruchtbringend, fruchtbar, befruchtend« werden als Metaphern für »Ertrag« und »Gewinn« verwendet.

Nun stellt sich die Frage, wie es zu einer scheinbaren Verkehrung von Ertrag in das Gegenteil, Kargheit, kommen konnte. frugalitas bedeutet neben Kargheit vor allem Sparsamkeit, Wirtschaftlichkeit. Es geht zurück auf das undeklinierbare Adjektiv frugi – das ist ein erstarrter Dativ von frux, und bedeutet sparsam, besonnen, brav, also positiv konnotierte Eigenschaften.

Es ist anzunehmen, dass die lateinische Wurzel frugalis das Fremdwort frugal als »fruchtbringend« interpretierbar machte und damit die Bedeutung »üppig« hervorbrachte oder als »fruchtig« in Anlehnung an Feldfrüchte, die manchem ärmlich und karg erscheinen können. Ertrag lässt sich verschieden betrachten, als kärglich oder üppig, als ertragreich oder gerade noch erträglich.

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