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Angela Merkel - Kanzlerin |
| Foto: Lichtblick/Achim Melde |
| © Deutscher Bundestag |
Das Staatsoberhaupt Deutschlands ist der Bundespräsident. Er steht protokollarisch dem Staat vor.
Der Staatschef Deutschlands aber ist der Bundeskanzler. Er lenkt die politischen Geschicke des Landes.
Der Bundeskanzler ist der Regierungschef, der von der Partei oder der entsprechenden Koalition, die die Mehrheit der politischen Kräfte bildet, gestellt wird.
Zum ersten Mal in ihrer Geschichte hat die Bundesrepublik Deutschland eine Frau an ihrer Spitze, eine Bundeskanzlerin. Bis dahin war der Terminus Kanzlerin nicht vorgesehen, ungebräuchlich, weil nur Männer bisher dieses Amt versehen hatten. Der Begriff musste neu geprägt werden.
Wie redet man die Kanzlerin an?
Auch die offiziellen Titel und Anreden waren zu definieren, um Etikettenvorschriften festzulegen. Der Titel lautet “Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland”.
Bei der mündlichen Anrede reicht «Frau Bundeskanzler». In der schriftlichen Anrede rät das Protokoll jedoch zu: «Sehr verehrte Frau Bundeskanzlerin» oder «Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin» gefolgt vom akademischen Grad sowie dem Vor- und Zunamen.
Was ist ein Kanzler?
Kanzler leitet sich ab von Kanzlei. Kanzlei geht zurück auf mittellateinisch cancelli, Schranken, Gitter. Die Kanzlei war ursprünglich der von Schranken umgebene Dienstraum, eine Art Schreibstube in Behörden, bei Gericht und beim Anwalt. Die Wendung “vor den Schranken des Gerichts” nimmt dieses Bild auf. Noch immer heißt das Büro des Anwalts Kanzlei, der Amtssitz des Bischofs nennt sich “Bischöfliche Kanzlei”. In Kanzlei erkennt man wiederum das Wort Kanzel. Die Kanzel ist ursprünglich ein durch Schranken oder Gitter abgetrennter Bereich der Geistlichkeit. In der katholischen Kirche ist der Altarberich, der der Geistlichkeit und dem liturgischen Personal vorbehalten ist, mit einem Gitter, einer Schranke abgetrennt.
Unter Kanzel versteht man heute das durch eine Brüstung umgebene Rednerpult in der Kirche, von dem aus der Geistliche zur Gemeinde predigt.
Die in dem Wort Kanzel verborgene lateinische Wurzel cancer scheint zwar zunächst nur auf die Bedeutung “Krebs” hinzuweisen. Diese Wort entstand jedoch aus einer Dissimililation, also einer Art Umformung oder Verballhornung, deren rechtmäßige Quelle das Ursprungswort carcer, Gitter, Schranke, Umfriedung war. Der Karzer, ein Verlies - daher Gitter, Vergitterung - war eine drakonische Strafe, die das Gymnasium im gnadenlosen preußischen Erziehungssystem für aufmüpfige Zöglinge bereithielt - noch angesiedelt Ambiente von “Feuerzangenbowle”, “Professor Unrat” und “Fliegendem Klassenzimmer”.
Das Verb “kanzeln” ist untergegangen und nur noch enthalten in abkanzeln, “eine Strafpredigt von einer Kanzel herab halten”. Es bedeutet “streng zurechtweisen”.
Das lateinische Wort cancellarius wurde entlehnt und angepasst zu althochdeutsch chancilâri, chenzilâri, mittelhochdeutsch kanzelære und mittelniederdeutsch kenseler. Das englische Pendant lautet chanceller, das französische le chancelier, m, la chancelière, f.
Der Kanzler ist also Vorgesetzter, der im Auftrag und in seiner Rolle, die sich früher in seiner äußerlichen “beschrankten” Unnahbarkeit manifestierte, als oberster Beamter, höchster Beauftragter und Vollstrecker, der mit der ihm kraft seines Amtes übertragenen Gewalt agiert.




