11.10.2009

Was ist ein Adverb?

Was ist ein Adverb

Es lichtet sich

Foto: Alfred Krawietz
© loocky / PIXELIO

Adverb - der Plural lautet Adverbien, abgeleitet aus dem mittlerweile ungebräuchlichen lateinischen Singular Adverbium - bedeutet “das zum Verb Gehörende”. Damit wird ausgedrückt, dass es das Verb als Satzaussage näher bestimmt.

Das bedeutet aber gleichzeitig, dass damit auch der ganze Satzinhalt gemeint sein kann. Daher ist die deutsche Bezeichnung Umstandswort, die Umstände des Geschehens näher bezeichnend, zutreffend.

In der Regel kann ein Adjektiv, als Adverb, gebraucht werden, indem es sich auf ein Verb bezieht. Es hat aber im Deutschen nicht, wie in in vielen anderen Sprachen, eine besondere Endung - englisch -ly, französisch -ment, italienisch -mente. Es ist im Gegensatz zum attributiv verwendeten Adjektiv, unflektiert, also unveränderlich.

Er läuft schnell.
Sie schreibt schön.
Wir kochen gut.
Ihr arbeitet sorgfältig.

Auch das prädikativ verwendete Adjektiv ist unveränderlich. Es unterscheidet sich vom adverbiell gebrauchten dadurch, dass es unverzichtbarer Bestandteil des Prädikats ist, weil das als Hilfsverb ohne derartige Ergänzung unvollständig bliebe.
Beispiel: Das Auto ist … (schnell, teuer, gut, neu).

Adverbien, Umstandswörter, geben nähere Erklärungen zu den Umständen - zu Zeit (temporal), Ort (lokal), Grund (kausal) oder Art und Weise (modal) - des Geschehens an.

Beispiele für temporale Adverbien sind heute, bald. immer, selten, nie, oft, eingangs. Beispiele für lokale sind hier, dort, nirgends, draußen, oben. Beispiele für kausale sind darum, deshalb, so, seinetwegen, für modale blindlings, rittlings, unversehens, gern.

Die genitivivsche Endung /s/, deutlich unveränderlich, ist eine rein adverbielle Endung: angesichts, vergebens, vollends, unversehens, eilends. Bestimmte Endungen, die diesen genitivischen Bezug haben und deshalb auf /s/ enden, sind kennzeichnend für Adverbien. Sie fungieren als Suffix, um Komposita zu produzieren. Endungen sind -weise, -seits, -wärts, -orts, -lings. Beispiele dafür sind schrittweise, himmelwärts, elternseits, mancherorts, bäuchlings. Auch Endungen, die Präpositionen entlehnt sind, sind bezeichnend für Adverbien: jahrein - jahraus, tagein - tagaus, bergab, treppauf, querfeldein, ringsherum, rundum, weithin, überall, allseits, tagsüber, kopfüber, kielunter.

Diese Komposita lassen die Verbindung zum syntaktischen Begriff des Adverbiales erkennen. Dieses besteht entweder aus einem einzelnen Adverb oder aus einer präpositionalen Wortgruppe, die insgesamt für den gleichen Inhalt steht. Das Adverbiale besteht dann aus einem Gefüge aus Präposition und Beziehungswort - Substantiv oder Pronomen.

Dies lässt sich an den obigen Beispielen zeigen:
schrittweise - Schritt für Schritt
himmelwärts - zum Himmel gerichtet
elternseits - seitens/von Seiten der Eltern (pronominal: ihrerseits - seitens ihrer)

längsseits - zu Seiten der Länge
mancherorts - an manchen Orten (pronominal: dieserorts - an diesen Orten)
bäuchlings - auf dem Bauch liegend

Das Adverb ist also aus der Sicht der Wortartbestimmung eine Wortart. Aus syntaktischer Sicht jedoch als Adverbial(e) eine Umstandsbestimmung. Beide haben gleiche Inhalte, die jedoch formal unterschiedlich ausgedrückt werden können. Das Adverbiale als präpositionale Fügung wird durch eine Präposition, ein Verhältniswort, in seiner Richtung und Aussage festgelegt. Dabei regiert die Präposition, das Fürwort, den Kasus, den Fall, des dazugehörigen Substantivs, des Nomens, oder seines Vertreters, des Pronomens.

Daneben gibt es für bestimmte Adverbien die Bezeichnung Modalwörter. Sie drücken eine subjektive Einstellung aus, kommentieren das Gesamtgeschehen. Oft zeichnen sie sich durch die Endung -erweise aus: freundlicherweise, üblicherweise, möglicherweise. Andere Beispiele sind:  letztlich, hoffentlich, wahrscheinlich, sicher(lich), übrigens, allerdings, schlechterdings.

Adverbien und Modalwörter haben das gemeinsame Merkmal der Unveränderlichkeit. Außerdem können sie im Satz den ersten Platz vor dem finiten, dem mit einer Personalendung “beendeten”, Verb einnehmen; in diesem Fall folgt notwendigerweise eine Inversion, eine Vertauschung von Subjekt und Prädikat, z. B. Er kommt wahrscheinlich. Wahrscheinlich kommt er. Das Kind ist hier. Hier ist das Kind.

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Kommentare

Eine schöne Zusammenstellung. Ich hätte noch zwei Ergänzungen:
a) Adverbien können neben Verben auch viele andere Wörter “begleiten”, sogar Substantive und Pronomina: “Wir haben uns für die Vorstellung morgen Karten gekauft.” Hier ist “morgen” ein Attribut des Substantivs und wird, im Gegensatz zu einem Adjektiv, nachgestellt.
b) Prädikatsadjektive sind wie Prädikatssubstantive eng mit dem Prädikat verbunden (und unverzichtbar), aber es ist eine etwas veraltete Sichtweise, sie als “Bestandteil des Prädikats” zu betrachten. In einem Satz “ich werde alt” besteht also das Prädikat nur aus dem Verb, das Prädikatsadjektiv hat nach heutiger Sichtweise selbst Satzgliedcharakter. Diese Sichtweise ist auch sinnvoller, weil sich ein Prädikatsadjektiv nicht notwendigerweise auf das Subjekt beziehen muß:
“Du machst mich krank.” Hier bezieht sich das Adjektiv auf das Objekt, welches sogar nur ein Pronomen ist.

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