2.07.2009

Einwand und einwenden – Aufwand und aufwenden

Schloss Neuschwanstein

Schloss Neuschwanstein

Foto: Udo Sodeikat
© quandoudo / PIXELIO

Einwand und einwendenAufwand und aufwenden: Haben sie trotz ihrer formalen Nähe inhaltliche Gemeinsamkeiten?

Dass die Rechtschreibreform ausgerechnet ein so vertrautes Wort wie aufwendig in aufwändig verwandelt hat, erzeugt allenthalben Unverständnis, sogar Unmut. Dabei liegt in der Wandlung bereits der Schlüssel zur Erkenntnis des Hintergrundes dieses Eingriffs.

Das Verb wandeln, hin und her-, umhergehen, übertragen: »sich ändern«, ist eine Weiterbildung von wenden, das sich seinerseits aus winden, wand, gewunden ableitet und daher die ursprüngliche Bedeutung von drehen, umkehren, flechten hat.

Der Grund dafür ist, dass die römische Leichtbauweise einer Wand von den Germanen kopiert wurde: Man wand Reisig ineinander, das man anschließend mit Lehm verputzte. Die Verben winden und wenden bilden hier den Ursprung. Aus dieser Vorstellung erschließt sich auch die Herkunft des Wortes Leinwand als ineinander gewundenes Flechtwerk aus Flachs, »Leinen«, Flachsgarn. (Vgl. Duden Das Herkunftswörterbuch, 2006)

Allen Wörtern, die sich von wenden ableiten, wohnt eine Übertragung zu umwenden, umkehren, zukehren, einkehren oder einflechten inne: das Bewenden, verwenden, anwenden, zuwenden, hinwenden, einwenden und die sich daraus ergebenden Wortbildungen.

Das Adjektiv lautet folgerichtig wendig, beweglich, und findet sich übertragen in inwendig, in sich gekehrt, und auswendig, nach außen gekehrt.

Keines der mit wenden verwandten Substantive – Einwand, Verwendung, Anwendung, Zuwendung, Hinwendung, Bewandtnis, Verwandte – bildet parallele Adjektive zu wendig.

Das Verb aufwenden ist eher jung, von ihm leitet sich erst seit dem 18. Jahrhundert das Substantiv Aufwand, schließlich das Adjektiv aufwendig ab. Gerade diesen beiden wohnt nicht die metaphorische Konnotation von Um-, Zu- oder Einkehren des Adjektivs wendig inne. So gesehen erschließt sich der etymologische Bezug zwischen Aufwand und aufwändig.

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Kommentare

Hallo Hartmut Dresia,

danke für die Information über PIXELIO.
Ich bin schon seit 05.01.2008 bei Pixelio registriert, hatte aber wenig Zeit meine Fotos zur Präsentation einzustellen, da ein Hauskauf und ein Umzug von Köln ins Weserbergland anstand.
Anfang Juni 2009 habe ich mein altes Foto-Archiv durchkämmt und ab 22. Juni 2009 ca. 50 Bilder bei Pixelio eingestellt. Schön, dass Du das Bild von Neuschwanstein für Deine Arbeit ausgewählt hast. Es hat mich sehr gefreut. Grüße an die Schreiberin, Frau Gunhild Simon, des sehr interessanten Artikels. Der Titel “Einwand und einwenden - Aufwand und aufwenden” passt schon sehr gut zu dem Bild, wenn man an den Bau des Schlosses und den damit verbundenen Unterhalt denkt.
Viele Grüße aus dem schönen Weserbergland
und alles Gute
Udo Sodeikat, Hauptmann a.D.

[…] [2] Im Zusammenhang mit “aufwendig”, nach neuer Rechtschreibung auch “aufwändig” mit einer gewissen Berechtigung zu schreiben, hatte ich mich mit der Frage Aufwand – Wand – wenden näher beschäftigt: Diese Aussagen stützen sich weitgehend auf die Informationen, die aus dem Duden- Herkunftswörterbuch hervorgehen. blog.institut1: Einwand und einwenden – Aufwand und aufwenden […]

Hallo Udo,

grab mal in Deinen Erinnerungen, hier ist “Fernseh-Kummer, Stelzer- Nummer”
Ich hoffe Du erinnerst Dich an unsere gemeinsame BW- Zeit und Familienausflüge.
Es wäre außerordentlich toll, wenn wir in naher Zukunft einmal telefonieren könnten.
Ich wohne seit 20 Jahren in Detmold und könnte außerdem einen Starfotografen gebrauchen.
Melde Dich mal bitte.

Viele Grüße

Dietmar

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