![]() |
Blaufärberwerkstatt |
| Foto: Andreas Praefcke |
| GNU Free Documentation License |
Das Substantiv Werk hat eine Vielzahl von Bedeutungen und Vorkommen:
- Schaffen - Gesamtwerk
- Tat, Tätigkeit - Tagewerk, Kunstwerk, Handwerk
- Fabrik - Bergwerk
Werk, mittelhochdeutsch werc, englisch work, niederländisch werk, schwedisch verk, ist verwandt mit dem griechischen érgon, Werk, Arbeit. Dazu steht Energie und Ergonomie in Zusammenhang.
Bei der Etymologie stößt man auch zwangsläufig auf das Verb wirken. Es hat die Ursprungsbedeutung flechten, mit einem Flechtwerk, Zaun, umgeben. Darin zeigt sich handwerkliche Tätigkeit und Arbeit als Merkmal sesshaften Lebens.
Die Fülle der Bedeutungen von wirken, eine Bandbreite zwischen tätig sein und scheinen, macht bereits den Eindruck einer Übertragung aus dieser Ursprungsbedeutung - man denke etwa an das Wirken, eine Art Weben oder Verflechten, eines Stoffes. Das fertige Produkt ist gewirkt - ein Gewirk.
Das zu Werk gehörige Verb lautet werken, handwerklich arbeiten, praktisch tätig sein, schaffen. Dieses Verb taucht kaum noch auf. Selbst das Schulfach” Werken”, das früher die Parallele zum Handarbeitsunterricht war, ist durch eine zeitgemäßere Bezeichnung, “Arbeit und Technik”, ersetzt worden
Das Wort Werk ist enthalten in Werktag, Werkzeug, Werkstatt, bewerkstelligen, werkeln - laienhaft arbeiten.
Werk steckt auch in Gewerkschaft, Organisierung der Arbeiter, ursprünglich der Bergwerksarbeiter. Darin ist wiederum das Gewerk, die Gesamtheit der an der Produktion beteiligten Arbeiten und das handwerkliche Tag- oder Gesamtwerk enthalten. Daneben der Gewerke, ein veraltetes Wort für Arbeitsgenosse.
Dem Begriff des Werks steht der Begriff der Arbeit gegenüber. Dazu gehört das Verb arbeiten. Dieses Wort hat eine grundlegende Bedeutungsverschiebung erfahren. Arbeit geht zurück auf mittelhochdeutsch ar[e]beit und entspringt einem untergegangenen Verb mit der Bedeutung “verwaist sein, ein zu schwerer körperlicher Tätigkeit verdingtes Kind sein” - vergleichbar der Romanfigur “Oliver Twist”, eines Findelkinds im England der Frühindustrialisierung [1].
Das Wort bedeutete ursprünglich schwere körperliche Anstrengung, Mühsal, Plage. Diesem Arbeitsbegriff haftete folglich zunächst ein Verständnis von Sinnlosigkeit, Unwürdigkeit und Herabsetzung an. Das zeigt sich auch in der mittelhochdeutschen Bedeutung des daraus abgeleiteten Verbs arbeiten, ar[e]beiten, sich plagen sich quälen, angestrengt tätig sein, und in dem Substantiv arbeiter, Tagelöhner, Handwerker. Erst mit Luthers Definition in seiner Lehre vom allgemeinen Priestertum verlor Arbeit seinen herabsetzenden Charakter und konnte zum sittlichen Wert Beruf, dem das positiv konnotierte Wort Berufung zugrundeliegt, werden.
![]()

Benutzerdefinierte Suche




