7.05.2008

Wann schreibt man Verben und Adjektive groß?

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Die Großschreibung von Substantiven ist eine Besonderheit der deutschen Sprache. Folglich schreibt man auch Substantivierungen von Verben groß. Es ist jedoch nicht immer leicht zu erkennen, wann eine Substantivierung vorliegt.

Sie kann durch einen Artikel angezeigt werden. Ganz selbstverständlich erscheint dies, betrachtet man Substantive, deren Endung nur noch an die ursprüngliche Verbform erinnert: Leben und Sterben, Essen und Trinken. Aber auch so: das Fliegen, ein Erfassen. Präpositionen verbunden oder verschmolzen mit dem Artikel zeigen die Substantivierung an: beim, zum, während des, ins, ans:

Beispiele: beim Lesen, zum Malen, im Vorübergehen, aus dem Betrachten, während des Schlafens, über das Altern, vom Maßhalten, durch das Zusammenleben, in Nachdenken versinken, im Gehen begriffen sein, ans Schreiben gehen, am Laufen halten und die umgangssprachliche Verlaufsform “am Arbeiten sein”.

Lediglich die formal wie eine Substantivierung anmutenden Superlative am schönsten, am besten, schreibt man klein, wie man sich aus der Steigerungsreihe ableiten kann: hoch, höher, am höchsten.

Gerade bei zu und zum ist genau zu unterscheiden, weil ein Infinitiv mit zu ähnlich auftritt: bereit zu schreiben, aber: bereit zum Schreiben, zum vielen Essen verführt aber: verführt, viel zu essen.

Auch andere infinite Verbformen wie die Partizipien sind substantivierbar. Aus dem Partizip II vergangen wird das Vergangene, aus dem Partizip I kommend wird das Kommende. Hier beginnt bereits die Überschneidung mit den substantivierten Adjektiven. Denn Partizipien verschmelzen oft in ihrem Gebrauch zu Adjektiven.

Adjektive sind auf diese Weise ebenso substantivierbar. Das ist ein sehr gebräuchliches Vorgehen, und viele Wörter haben sich längst als gebräuchliche Substantive etabliert, ohne dass man noch ihre Herkunft aus anderen Wortarten bedenken würde: das Besondere, ein Helles, viel Gutes, wenig Übles, manch Schlimmes, nichts Böses, etwas Schönes, ein Neues. Das substantivierte Adjektiv erhält eine andere Endung, wenn sich das Zahladjektiv ändert, genauer, wenn es bereits in seiner Endung das Genus, das grammatische Geschlecht anzeigt: manch Schönes ->manches Schöne, wenig Abstoßendes -> weniges Abstoßende, viel Angenehmes -> vieles Angenehme. Ohne ein solches Pendant sind alles, beides, jedes Neue. Hier zeigt sich in den gleichen Endungen eine Überschneidung mit den Demonstrativpronomen, die ein Substantiv begleiten: jenes, dieses, dasjenige Neue.

Auch ganz ohne Mengenangabe wird eine unbestimmte Menge, die durch ein substantiviertes Adjektiv benannt wird, groß geschrieben: Gutes, Schönes, Schlimmes. Und ganz unbestreitbar, wenn es um Personen oder Eigenschaften geht: die Schöne, die Heilige, der Alte, der Leibhaftige, das Neue, das Böse, das Gute, die Toten, die Lebendigen, die Gläubigen, die Heiligen. Sie haben sich, wie man sieht, aus substantivierten Adjektiven bereits zu unauffälligen Substantiven gewandelt. Diese Formen zeigen jedoch ihre grammatische Herkunft, sobald sie mit dem unbestimmten Artikel verwendet werden: der Heilige - ein Heiliger, der Wilde - ein Wilder, der Tote - ein Toter.

 

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