6.12.2008

Subjekt oder Substantiv?

Caesar und Vercingétorix

Caesar und Vercingétorix

Bild: Lionel-Noël Royer
public domain

Früher haben sich Gelehrte aller Fachrichtungen problemlos verständigen können. Sie sprachen lateinisch. Heute sind daraus die jeweiligen wissenschaftlichen Fachausdrücke übriggeblieben. Gerade die naturwissenschaftlichen Disziplinen erlebten schon im antiken Griechenland eine Blütezeit und prägten so ihr Vokabular bis heute.

Die Fachsprache der Grammatik ist Latein. Latein, geprägt von der Kriegsberichterstattung Caesars und den politischen Reden Ciceros, ist eine sehr exakte, in diesen Bereichen phantasielos anmutende Sprache. Gerade Fachtermini, die eine Funktion innerhalb eines Denksystems beschreiben, sind deshalb aus eher schlichten Einzelteilen zusammengesetzt. Aus diesem Grund sind sie leicht zu verwechseln. Denn sie beginnen oft mit einer Vorsilbe, einem Präfix, das auf den ersten Blick verwirrt, jedoch bei genauerem Hinsehen bereits etwas über den Inhalt aussagt. So kann man sie sich erschließen.

Gleiche Vorsilben findet man bei Konjunktiv und Konditional. Präposition und Prädikat. Adjektiv und Adverb. Infinitiv und Indikativ.

Und Subjekt und Substantiv.

Der Unterscheidung dieser beiden letzten soll hier die Aufmerksamkeit gelten.

In der grammatischen Analyse betrachtet man zwei unterschiedliche Ebenen: Wortart und Satzbau.

Das Substantiv ist eine Bezeichnung für eine Wortart. Es heißt auf Deutsch Hauptwort. In dem lateinischen Wort Substantiv erkennt man Substanz. Das hat inhaltlich etwas mit Haupt-, also Wichtigem, zu tun. Substantive werden deshalb im Deutschen groß eschrieben, um ihre Wichtigkeit, ihre Substanz hervorzuheben. Dadurch lässt sich ein Text optisch leichter gliedern und geistig besser erfassen. Er ist lesefreundlicher. Das ist bei der Unübersichtlichkeit mancher Sätze sehr brauchbar.

Die Vorsilbe sub bedeutet in Zusammensetzungen “von unten, von allein”. Also heißt substans von allein stehend. Die Substanz ist etwas, was für sich, von sich aus steht. So ist das Substantiv als inhaltlich tragendes Wort gedacht: Es ist ein Wort, das für sich steht.

Das Subjekt ist ein Satzteil. Der erste Teil sub- deutet wieder auf seine tragende Rolle hin. Darin enthalten ist subiecere, zugrundelegen. Subjekt bedeutet, dass es der Teil des Satzes ist, dem alles zugrunde gelegt ist, -liegt. Es ist der Satzgegenstand, der sich tatsächlich meistens auch als ein Substantiv zeigt. Das muss aber nicht sein, denn es kann auch ein Stellvertreter an seiner Statt stehen. Kennzeichen des Subjekts ist immer, dass es die Antwort ist auf die Frage Wer?

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Kommentare

Also … vorab ein großes Kompliment für Ihren Blog. Ich bin immer wieder fasziniert, wie man sich so detailliert und interessant mit der deutschen Sprache auseinandersetzen kann.
Beim Lesen dieses Artikels kam mir eine Frage … offenbar scheine ich entweder auf dem Schlauch zu stehen oder das gibt es tatsächlich nicht. Gibt es Sätze, in denen das Subjekt kein Substantiv ist?

Stellvertreter des Subjekts sind üblicherweise Pronomen. Der Name Pronomen, Fürwort, sagt dies eigentlich aus. Es steht “für ein Nomen”, ein Substantiv. Dieses Pronomen kann ein Personalpronomen sein, ein Demonstrativpronomen, ein Indefinitpronomen, ein unbestimmtes Zahladjektiv aber auch jegliche Art substantivierter Formen von Verben oder Adjektiven. Auch ein erweiterter Infinitiv kann ein Subjekt ersetzen. Wenn er Subjektfunktion hat, wird er nicht durch ein Komma getrennt.

Ich verdeutliche dies an Beispielen:
- Die Pflanzen stehen in einem Topf. *Sie* stehen in einem Topf. - Personalpronomen
- *Diese*braucht Wasser. - Demonstativpronomen
- *Niemand* kommt. - Indefinitpronomen
- *Keine* blüht. - Unbestimmtes Zahladjektiv
- *Schwimmen* stärkt die Balance. - Substantiviertes Verb.
- *Schönes* macht mich glücklich. - Substantiviertes Adjektiv
- *Gutes zu tun* macht mich glücklich. - Verbaler Ausdruck, erweiterter Infinitiv, als Subjekt. Dagegen *Es* macht mich glücklich, Gutes zu tun.

Grundmuster ist immer die Frage “Wer?”. Sie beantwortet die Frage nach dem Subjekt.

Ok, vielen Dank für den “Natürlich!”-Effekt. Ich stand wirklich auf dem Schlauch. An Pronomen hab ich gar nicht gedacht. Und das als ehemalige Deutschabiturientin … peinlich. *schäm*

… und dann gibt es doch noch ausgewachsene Subjektsätze:

“Daß ich Gutes tun kann, macht mich glücklich.”

Der Unterschied ist nur, dass die Konjunktion dass/daß daraus einen Adverbialsatz macht, die nun ein Komma verlangt.

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