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Humor und Witz |
| Foto: berwis |
| © berwis / PIXELIO |
Heinrich Heine schreibt in seinem Gedicht
Anno 1839
Nur der Verstand, so kalt und trocken,
herrscht in dem witzigen Paris -
Oh, Narrheitsglöcklein, Glaubensglocken!
Wie klingelt ihr daheim so süß!
Quelle: www.heinrich-heine.net
Unter witzig versteht man heutzutage scherzhaft, ironisch oder auch ausgefallen. Auch ein Gag kann als Scherz, als Witz, zu verstehen sein. Dabei geht es um Humor, Unterhaltung und Spaß.
Humor ist die Gabe heiterer Gelassenheit angesichts der Missgeschicke des Lebens. Nach den Anschauungen der Antike ist die Gestimmtheit des Menschen vom Fluss verschieden wirksamer Säfte im Körper abhängig. Die mittelalterliche Naturlehre gab diesen Säften den Namen humores, Feuchtigkeiten - aus lateinisch humor, genauer: umor, Feuchtigkeit, das sich seinerseits auf umere, feucht sein, umidus, feucht, zurückführen lässt.
Daraus entwickelte sich die Bedeutung Temperament, Stimmung, Laune. Im heutigen Sinne hat Humor nur noch die positive Bedeutung von Heiterkeit. Das englische Wort lautet humour/humor. Es hat sowohl die neutrale Bedeutung Laune als auch die positive Färbung von Ausgelassenheit und Heiterkeit. Es geht auf das altfranzösische Wort humour zurück. Die Aussprache mit der endbetonten Silbe im Deutschen ist eine Angleichung an das französische Wort humeur, Gestimmtheit. Im Französischen lässt sich dieser Zusammenhang noch erkennen in humide, feucht, humidité, Feuchtigkeit.
Bei den Adjektiven gewitzt und vorwitzig tritt ein Bedeutungsunterschied hinzu. Er verweist auf einen anderen Schwerpunkt in der Nähe einen gewissen Schlauheit, die auf Lebenserfahrung basiert. Mutterwitz ist der angeborene Verstand und das natürliche Ausdrucksvermögen - intuitive Urteilskraft und Schlagfertigkeit.
Das Wort Witz hat einen sichtbaren Zusammenhang zu wissen, Wissen, weise, Weisheit. Im Mittelhochdeutschen ist witz Geist, Verstand, Klugheit, Schlauheit. Entsprechend heißt dies im Englischen wit und witty, witzig, geistreich. Auch hier kennt man mother wit - altenglisch moderis wytte - und native wit als Übersetzung für Kants Mutterwitz. [1]
Denn kein Geringerer als Kant grenzt den Mutterwitz, als Besitz von angeborenem Verstand, ab gegen den Schulwitz, der darauf beruht, “sich nach studirten und künstlich aufgestellten Principien umzusehen”. [2]
Aus der Bedeutung Klugheit, Verstand entwickelte sich schließlich im 17. Jahrhundert die Verwendung im Sinne von Charme, Esprit, Gabe des geistreichen Formulierens, Geist, Witz. [3]
Jemandes Witz zu beschreiben, den “Witz einer Sache” zu betonen, das sind Redewendungen, die nicht auf scherzhafte Einfälle gerichtet sind, sondern sprachliche Wendigkeit und Gewandtheit - Formulierungskunst - in den Mittelpunkt stellen.
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Anmerkungen:
[1] In “Lectures on Logic” von Kant wird Mutterwitz mit native wit übersetzt. (Übersetzer und Herausgeber: J. Michael Young, Cambridge University Press)
[2] So viel ist gewiß, daß, wenn die Auflösung einer Frage auf den allgemeinen und angebornen Regeln des Verstandes (deren Besitz Mutterwitz genannt wird) beruht, es unsicherer ist, sich nach studirten und künstlich aufgestellten Principien (dem Schulwitz) umzusehen und seinen Beschluß darnach abzufassen …
(Kant, Anthropologie in pragmatischer Absicht, 1798, Kants gesammelte Schriften VII, S. 139 f.)
Etwas einfacher definiert es Adelung:
Der Mutterwitz, des -es, plur. car. der natürliche Verstand, so wie jedermann die Anlage dazu von Mutterleibe an mit auf die Welt bringt; im Gegensatze des Schulwitzes, des durch die Wissenschaften aufgeklärten Verstandes. Viel Mutterwitz haben, viel natürlichen Verstand …
(vgl. Adelung-GKW Bd. 3, S. 350)
[3] Die Gräfin machte die Honneurs des Hauses, war Gast und Wirtin zugleich, und der Prinz, enchantiert, hing nicht nur an jeder Bewegung der schönen Frau, sondern freute sich ihrer Gegenwart überhaupt, alles an ihr bewundernd, ihre Augen, ihren Witz und selbst – ihre Kochkunst.
Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg
(vgl. Fontane-NA Bd. 9, S. 291)

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