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Gefrorene Landschaft |
| Foto: Maren Beßler |
| © Maren Beßler / PIXELIO |
Eine Verstärkung von »allein«, die der Rede Farbe gibt, lautet »mutterseelenallein«.
Warum sollte man diesem so leicht zugänglichen, verständlichen Wort nachgehen – erklärt es sich nicht selbst?
Es drückt auf einer unmittelbaren Ebene die Empfindung äußerster Verlassenheit aus, wie man sie kleinen Kindern zuschreibt, die von ihrer Mutter im Stich gelassen wurden.
Der Hintergrund dieses Wortes hat aber eine noch andere Nuance. Spricht man von »Menschenkindern«, betrachtet man sie in ihrem Verhältnis zu Gott, als Kinder Gottes.
Waltraud Legros |
| »Am Anfang war da das französische moi tout seul – ich ganz allein. Dieses moi tout seul ergab in der phonetischen Eindeutschung zunächst mutterseel. Ein schönes Wort zwar, aber der Sinn war weg. Man fügte also den Sinn hinzu, allein, und schuf das schöne deutsche mutterseelenallein.« |
| Was die Wörter erzählen |
Einwohner einer Gemeinde, eines Dorfes, Ortes, Kirchspiels, werden auch heute noch in Seelen gezählt. Dies wirkt heute wie ein Relikt barocker Wahrnehmung des menschlichen Wesens in seiner existentiellen Hinfälligkeit und Äußerlichkeit. Man verstand das diesseitige, das irdische Leben ja eher als Durchgangsstadium zu einem ewigen, jenseitigen Sein. Daraus leitet sich das Selbstverständnis als Erdenbürger, als Gast auf Zeit, als Glied eines Ganzen, der Gemeinde also, ab. Aus dieser Transzendenz erklärt sich auch die frühere Rolle der Kirche und die Doppelbedeuung der Bezeichnung Gemeinde und ihrer Seelenzahl in diesem Zusammenhang.
Beschreibt man eine Situation, wo »keine Menschenseele« ist, heißt dies, dass man ganz allein, ganz auf sich gestellt ist. Mutterseele hatte früher zunächst nur die Bedeutung Mensch. Dieser Begriff ist verschwunden. Übriggeblieben ist mutterseelenallein. Es bedeutet also eigentlich »in seiner menschlichen Existenz allein« oder auch »menschenallein«.
Das Wort »mutterseelenallein« in der deutschen Literatur |
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