27.06.2008

Die Uhr: Wem die Stunde schlägt

Uhr

Wem die Stunde schlägt

Foto: Maria Lanznaster
© mara.l / PIXELIO

Unvergesslich das auswanderungswillige Paar in “Casablanca”, das angesichts seiner neuen Heimat Amerika schon mal Englisch übt: “What watch is it, Darling?” Die unverkennbar deutsch akzentuierte Antwort: “It is ten watch.”

Es geht hier um die Zeit, und die drückt man in anderen Sprachen auch so aus: What time is it? Quelle heure est-il? Que ora é? Daran zeigt sich, dass im Deutschen die Stunde, die Zeit, der Zeitraum, der Zeitpunkt und der Zeitmesser, die Uhr, in bestimmten Zusammenhängen identisch benannt werden.

Es handelt sich um eine Begriffsvermengung, eine Übertragung, die wir kaum noch bemerken: die Uhrzeit und das Uhrwerk. Chronograph, Zeitaufzeicher, oder Chronometer, Zeitmesser, sind dagegen spezielle Bezeichnungen.

In anderen Sprachen wird genau unterschieden zwischen Armbanduhr, Wanduhr, Uhrwerk und Zeit. Im Englischen ist die Armbanduhr watch, die Wanduhr clock, das Uhrwerk clockwork, die Zeit time. Im Französischen ist montre die Armbanduhr, pendule die Wanduhr, horloge die Turmuhr, mouvement das Uhrwerk und heure die Uhrzeit.

Im Griechischen heißt hóra Zeit, Stunde, Tageszeit, Jahreszeit. Hier ist eine Urverwandtschaft zu dem Wort Jahr erkennbar. Wie so manches grundlegende Wort aus dem Griechischen entlehnt wurde, erscheint auch hora im Lateinischen in der gleichen Bedeutung.

In den romanischen Sprachen sind die Parallelen offenkundig: italienisch ora, spanisch hora, französisch heure mit den altfranzösischen Vorgängern hore und eure.

Im Englischen heißt die Stunde hour, und hier schließt sich der Kreis der gemeinsamen Sprachwurzeln zum zweiten Mal. Aus dem Altfranzösischen gelangte das Wort hore auch ins Deutsche. Mittelhochdeutsch heißt ure, ore Stunde. Fragt man im Deutschen nach der Uhrzeit, erkennt man, dass sich die Bedeutung Stunde noch bewahrt hat in der Fügung “Wieviel Uhr ist es? Es ist zehn Uhr.”

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Kommentare

Sehr geehrte Frau Simon,

ich warte auf den zweiten Teil Ihrer Ausführungen über die “Zeit”, den philosophischen.
Ihre ethymologischen (nennt man das so?) Ausführungen sind interessant.

Herzliche Grüße
Ihr Karl-Otto Scholz

Von Thomas Mann inspiriert - Josephsromane - kam ich zu der Idee, dass Zeit eine menschliche Erfindung ist. Sie ist ein Name für etwas Vorgestelltes, das außer für die Menschen bedeutungslos ist.
Also krass formuliert: Zeit als solche gibt es nicht. Jedenfalls nicht wie es Berge oder Wolken oder Tiere gibt.
Nur die Menschen brauchen ein Maß,ein Instrument, eine Idee, um ihre Existenz einzuteilen und zuzuordnen
Gunhild Simon

Blogs leben von der Vielfalt

Mir fiel - wiederum bei Thomas Mann, in der Novelle “Der Tod in Venedig” - die Formulierung auf “Die Zeit zerfiel”.

Der Zerfall der Zeit ist nach meinem Verständnis ein Bild für den Verlust von Selbstwahrnehmung. Ungeachtet aller Gefahren zählt existenzell nur die Gegenwart des Idols.

http://www.institut1.de/thomas-mann-der-tod-in-venedig-ein-hoerspiel/#more-279

Gunhild Simon

Ja die Zeit…

Für den einen verstreicht sie nur, für den anderen ist sie nicht existent - und manch einer lässt sie durch die individuelle Wanduhren in ein Funkeln und Glitzern erstrahlen, welche jeden Raum einfach nur verzaubern.

mfg,
Hermann Kroiss

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