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” Nackte Jungfer” - “Naked Girl” |
| Foto: Manfred Brückels |
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Man traut seinen Augen kaum, wenn sich in der Oktobersonne an geschützten Standorten zartviolette Blütenkelche öffnen. Ein Anblick wie im März, wenn der Krokus blüht. Was hier, wie in der Jahreszeit verirrt, Früling vorgaukelt, ist die Herbstzeitlose. So vielsagend poetisch ihr Name, so erstaulich die Blume. Bei ihr ist alles zeitlos - wider die Zeit - im Vergleich zu anderen.
Die Hauptblütezeit hierzulande liegt im Mai und Juni. Die der Frühblüher, die die Lichtverhältnisse unter den noch unbelaubten Bäumen nutzen, sogar schon im März und April. Nach dem Verblühen sieht man noch eine kurze Weile ihre Blätter, dann ziehen sich welkend auch die zurück, um unter der Erde ihre Zwiebeln, Erdsprossen und Knollen weiterzuentwickeln.
Die Herbstzeitlose aber hat eine ungewöhnliche Vegetationszeit. Ihr Rhythmus unterscheidet sich von dem anderer Blumen. Wie die Frühblüher gehört sie zu den Geophyten, das sind Pflanzen, die ungünstige Jahreszeiten unterirdisch überdauern. Wie sie hat sie eine Zwiebel, die sich in der Ruhephase regeneriert. Ihre blatt- und stiellosen Blüten sprießen aber im Herbst. Im Frühsommer bildet sie krautige, lanzettförmige Blätter, aus deren Mitte die Samenkapseln schauen. [1]













